Maria Eichhorn

paranorm Video-Dokumente: bildende Kunst 
Video/Stills: © ralf roszius 
Projekt Hollmannstraße
Land Art
Eckgrundstück Lindenstraße/Hollmannstraße, West-Berlin
17. Juni 1987
Farbe, 7 Min., PAL (4:3-Format)
Edition paranorm

Land Art in Kreuzberg
Maria Eichhorn experimentiert unter freiem Himmel
Kunst im Freien: Das ist vor allem die Möglichkeit, Landschaft direkt zu gestalten oder etwas in sie hineinzugeben, Landschaft als Kontext zu verwenden. Maria Eichhorn versucht beide Ansätze konzeptionell zu kombinieren. Neun Schubläden, ein Spaten und ein baureifes Gelände in Kreuzberg sind dabei ihre Hilfsmittel, ihre Absicht ist es, der Landschaft bzw. der Erde sowohl den Charakter von Materie als auch von Material zu verleihen. In 20 cm tief ausgehobenen Quadern werden die Schubläden eingelegt, sie schließen mit der Oberfläche ab. Die Erde gewinnt und Erdhaftigkeit, wird weit und tief, und aus dieser (fast) simplen materiellen Betonung bezieht die Arbeit ihre Konkretion.
In schmalen, bis zu 1 m tiefen Gruben werden die Schubläden eingeschoben, mal schließen sie mit der Oberfläche ab, mal ragen sie heraus. Jetzt ist die Erde Material, benutzbar für die Idee eines Schranks, eines Tischs, einer Kommode, und somit abstrakt geworden.
Außer der Gegenüberstellung von Konkretion und Abstraktion sorgt die variierte Anordnung der Schubläden für zusätzliche Spannung. Geometrische Formation, Auflösung und wieder Strenge wechseln einander ab, verschärfen die Eindeutigkeit oder hinterfragen den ästhetisierenden Ausdruck. Das Ganze ist nun keine experimentelle Arbeit, sondern ein Experiment im Freien, in einem riesigen, unüberdachten Atelier ohne Fenster für Frischluft.
Marius Babias
__________
In: Zitty. Berlin, Juni 1987




© 2020 paranorm.de
: Impressum