Arnold Schönberg

paranorm Video-Dokumente: bildende Kunst - Musik 
Amaryllis-Quartett Dr. Christian Meyer Video/Stills: © ralf roszius 
Blicke
Ausstellungseröffnung
Es sprechen:
Dr. Pia Heckes, Bürgermeisterin der Bundesstadt Bonn
Dr. Christian Meyer, Direktor des Arnold Schönberg Centers, Wien
Prof. Dr. Dieter Ronte, Direktor des Kunstmuseums Bonn
Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile Bonn
19. September 2003
Farbe, 68 Min., PAL (4:3-Format)
Edition paranorm
Das Amaryllis-Quartett spielt das III. Streichquartett op.30 von Arnold Schönberg.

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Bonn in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Beethovenfest Bonn 2003 und dem Arnold Schönberg Center, Wien.
In einer Sonderausstellung zum Beethovenfest 2003, das unter dem Motto „Beethoven und die Zweite Wiener Schule" steht, zeigt das Kunstmuseum Bonn eine Auswahl von 22 Gemälden und Zeichnungen des Komponisten Arnold Schönberg aus dessen Nachlass, der vom Arnold Schönberg Center, Wien verwaltet wird. Damit wird das musikalische Programm, das zahlreiche Werke Schönbergs und seiner Schüler Alban Berg und Anton von Webern enthält, um ein „Highlight" im Bereich der bildenden Kunst bereichert.
Arnold Schönberg hat die Entwicklung der Musik im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt. Weniger bekannt ist, dass er vor allem zwischen 1906 bis 1912 auch gemalt hat. In diesen Jahren entstanden neben Landschaften und Bühnenentwürfen vor allem Selbstporträts, Porträts und Karikaturen sowie intuitiv empfundene Köpfe, die Visionen oder Blicke genannt wurden. Alle Themen sind in der Ausstellung durch Beispiele vertreten. Die Landschaften sind meist nur mit wenigen dumpfen Farbtönen gemalt, Wassily Kandinsky schreibt dazu: „Eine Landschaft ist graugrün, nur graugrün... Ich möchte die Schönbergsche Malerei am liebsten die Nurmalerei nennen." Diese Charakterisierung Kandinskys bezieht sich nicht bloß auf die Landschaftsbilder, sondern auf die farbige, formale und ausdrucksmäßige Konzentration aller Werke Schönbergs. In den Porträts hat Schönberg seine Frau, Freunde und Bekannte dargestellt, eine Zeit lang glaubte er sogar, durch Auftragsporträts seinen Lebensunterhalt aufbessern zu können, obwohl gerade in den Porträts seine fehlende malerische Ausbildung sichtbar wird. Am häufigsten hat sich Schönberg mit dem eigenen Gesicht auseinandergesetzt, rund ein Viertel des Gesamtwerks von 270 Arbeiten sind Selbstporträts, in denen sich Schönberg sachlich, beiläufig, aber auch in einer Mimik zeigt, die auf das visionäre Erfassen einer anderen Wirklichkeit gerichtet ist. Die Porträts können sich zu imaginären Karikaturen von Kritikern wandeln oder zu Gesichtern, die vom diffusen Farbraum beinahe aufgezehrt werden und sich auf das Auge, den Blick reduzieren als Zeichen der Verbindung zum Innerlichen, zu geistigen übergeordneten Kräften. „Ich habe niemals Gesichter gesehen, sondern da ich den Menschen ins Auge gesehen habe, nur ihre Blicke. Daher kommt es auch, dass ich den Blick eines Menschen nachmachen kann. Ein Maler erfasst mit einem Blick den ganzen Menschen - ich nur seine Seele".
Schönbergs Gemälde und Zeichnungen sind einer der ungewöhnlichsten Beiträge zur frühen Moderne und lassen sich nur schwer in Beziehung zu anderen Künstlern setzen. Vom zeitgenössischen Publikum als „grauenvollster Dilettantismus" abgelehnt, gab es auch unter den Malerkollegen keine einheitliche Haltung. Macke sprach von „grünäugigen Wasserbrötchen mit Astralblick", während Schönbergs Bilder bei Kandinsky, der sie 1911 in der Ausstellung des Blauen Reiters in München zeigte, die größte Unterstützung fanden. Auch Kandinsky stellte die Kunst unter das Prinzip der „inneren Notwendigkeit" und schrieb über Schönberg: „Ebenso wie in seiner Musik verzichtet er auch in seiner Malerei auf das Überflüssige (also auf das Schädliche) und geht auf direktem Wege zum Wesentlichen (also zum Notwendigen)." Schönberg sah die Malerei an das Diktat eines Ausdruckszwangs gebunden, dem der Künstler als Ausführender „eines ihm verborgenen Willens, des Instinkts, des Unbewussten in ihm" unterworfen ist. Dieser „Ausdruck innerer Vorgänge, innerer Bilder" hatte für Schönberg, der sich selbst als „Amateur" bezeichnete, Vorrang vor der Beherrschung malerischer Mittel, vor der Entwicklung eines Stils. Und in der Tat haben seine Visionen nach wie vor eine beunruhigende und suggestive Kraft, nicht nur als Beispiel einer unkonventionellen, zum Risiko bereiten Malerei. In der Reduktion auf den Blick lösen sie die Erscheinung des Menschen auf und appellieren zugleich an einen Bereich ursprünglicher und kollektiver psychischer Erfahrungen.
Kunsmuseum Bonn
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In: Begleitinformation zur Ausstellung. Bonn, 19.09.2003




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