Roland Schefferski
Türinstallation
Acrylglas-Kasten
1500 x 700 x 5/10 mm

Die Türinstallation ist Fortsetzung von der Installation „die Telefonzelle". Über diese habe ich einen kurzen Artikel geschrieben, der unter dem Titel „Telefonkiosken; Wroclaw, Polen 1981-1983" in der schwedischen Zeitschrift „Hjärnstrom" Ausgabe Nr. 28 und unter dem Titel „Creating Myself" in der Ausgabe Nr. 7 der norwegischen „EI Djarida" erschien. Im Frühling habe ich in Polen die folgende Beobachtung gemacht: ich bemerkte, daß zwischen den zerbrochenen doppelten Glasscheiben einer Telefonzelle verschiedene Abfälle, Papierreste, Zigarettenstummel, Müll usw. von den Benutzern hinterlassen wurde. Das Wachsen des Objekts habe ich bis zum Winter 1983 beobachtet. Am interessantesten in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, das auf diese Weise Menschen die verschiedenartigsten Informationen über sich selbst hinterlassen haben. In „die Telefonzelle" habe ich mich fast zwei Jahre lang zusammen mit anonymen Mitautoren/Menschen an einem Kreativitätsprozess beteiligt. Seinen Verlauf habe ich beobachtet und teilweise dokumentiert. Damals interessierte mich, in welchem Grade dieser Prozess bewußt oder unbewußt verlaufen ist, und nicht nur das in seinem Verlauf entstandene Objekt. Insofern wurde die „Telefonzellen Installation" nicht von mir gelenkt; ich habe mich lediglich auf die unsystematische, periodische Beobachtung, einer zufällig angetroffenen Situation beschränkt. In der neuen Installation möchte ich die Initiative selbst ergreifen - die Bedingungen zu ihrer Enstehung und Entwicklung schaffen. Den Verlauf des Prozesses will ich systematisch beobachten und dokumentieren. An die Glasscheibe der Galerietür ist ein Kasten aus klarem Plexiglas während der Ausstellung 'paranorm 88/89' installiert. Sein Innenraum bleibt von oben für den Einwurf materieller Spuren geöffnet. Die Besucher der Galerie werden um die Hinterlassung der Spuren gebeten - Abfälle - die früher oder später von ihnen weggeworfen werden. Jede Bemerkung oder Reflexion der Galeriebesucher und Teilnehmer dieses Prozesses, wäre für die Erweiterung des Dokumentationsmaterials wertvoll. Der Faktor, der diese Installation von der vorangegangenen diametral unterscheidet und sie gleichzeitig sogar determiniert, ist nicht nur die Tatsache, daß sie von mir in Anregung gebracht wird, sondern auch das Wissen der Teilnehmer/Mitautoren über die Grundlagen der Installation.
Roland Schefferski

In: Informationstext zur Installation. Berlin, 1988

Foto: © Alexander Koretzky 



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