© Roland Schefferski 
Roland Schefferski
Peter, 1985-86
33,5 x 60,5 cm

Roland Schefferski
Aufzeichnung der weggeworfenen Wirklichkeit


Mit Hilfe der verschiedenen Medien der bildenden Künste wie Malerei, Skulptur, interdisziplinäre Aktivitäten, Raumrealisationsexperimente u.a. habe ich die von mir erlebte Wirklichkeit aufgezeichnet. 1980 habe ich dies erweitert, seit dieser Zeit verwende ich dazu Spuren in Form von Papierabfällen, ungültige Fahrkarten, Eintrittskarten, Rechnungen, Quittungen, Landkarten, alte Notizen, Verpackungsmaterialien, Stadtplänen, Zeitungsfetzen bis hin zu Stoffresten, plattgefahrenen Büchsen u.s.w.
Die von uns aufnehmbare materielle Struktur ist nur eine von vielen Bestandteilen der Realität, der psychische also immaterielle Bereich ist nicht weniger wesentlich. Mir geht es nicht nur um das „neutrale" Sammeln und Sichern von materiellen Spuren der Wirklichkeit, sondern um die Spuren als Träger von Informationen, die in Deformationen kodiert sind. Zu dieser Deformation als Ergebnis unserer oder uns umgebener Aktivitäten kommt beim Arbeitsprozeß noch mein eigener künstlerischer deformativer Eingriff hinzu.
Den Impuls zu den verschiedenen Eingriffen meinerseits beziehe ich aus meinen Emotionen, Assoziationen, Impressionen und Empfindungen, die ich im Umgang mit Menschen und beim Aufnehmen neuer Situationen freisetze. Auf der Basis meiner alltäglichen Gemütszustände verarbeite ich diese materiellen Spuren, den Abfall der Wirklichkeit.
Wie jedervon uns habe auch ich eine Menge Papierabfälle einfach weggeworfen. Im Laufe der Zeit ist mir aber bewußt geworden, daß mit ihnen ein Teil meiner Wirklichkeit verloren geht. Aufbauend auf diesen Überlegungen, begann ich allmählich einige von meinen eigenen Spuren zu sichern. Aus diesen Spuren entstehen meine Arbeiten, die Aufzeichnung der weggeworfenen Realität, Rekonstruktionen meiner Vergangenheit.

Background

Es erschien mir immer etwas einengend, mich auf die viereckige Fläche der Leinwand oder des Zeichenblockes beschränken zu müssen. Es engt meine künstlerische Freiheit ein. Gleichzeitig bewundere ich die Natur und ihre Hervorbringungen, die ich als sehr harmonisch und ganzheitlich ansehe. Diese Beobachtungen waren Anlaß für meine Versuche, komplexe Objekte zu kreieren, die nicht von einer geometrischen Fläche oder auf eine Oberflächenebene beschränkt sind (wie dies zum Beispiel beim Malen auf Leinwänden der Fall ist ...).
Nicht ohne Bedeutung ist auch meine bildhauerische Erfahrung, besonders das Modellieren mit Ton führte mich an die Dreidimensionalität als Arbeitsmethode heran. Im Gegensatz zum Maler betrachtet der Bildhauer sein entstehendes Werk nicht nur von einer, sondern von praktisch unendlich vielen Perspektiven aus.
Dieser Entstehungsprozeß kann mit dem Wachstum von organischen Materialien verglichen werden: allmähliches Wachstum, das Entwickeln einer Individualität.
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In: Roland Schefferski: Ausgewählte Arbeiten 1980-1986, Katalog. 1987




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