Die vierte 10-Minuten-Lesung 


Enno P. Gramberg
Dröhnungen, 1987
Eine Lesungs- und Vernissagenreihe, in der zehnminütige Auszüge aus Grambergs prosaischer Ego-Textur „Dröhnungen" zu Gehör gebracht werden.
Die erste 10-Minuten-Lesung: Galerie paranorm, Berlin Tiergarten, 30. April 1987
Die zweite 10-Minuten-Lesung: Artcore Gallery, Berlin Neukölln, 14. Mai 1987
Die dritte 10-Minuten-Lesung: Hasenheide 69, Berlin Neukölln, 30. Mai 1987
Die vierte 10-Minuten-Lesung: Hasenheide 69, Berlin Neukölln, 14. Juni 1987
Die fünfte 10-Minuten-Lesung: Parade Reposte, Berlin Schöneberg/Tartini-Platz, Piran, 30. Juni 1987
Die sechste 10-Minuten-Lesung: Gasteiner Eck, Berlin Schöneberg, 30. Juli 1987
Die siebte 10-Minuten-Lesung: Oppelnerstraße 13, Berlin Kreuzberg, 13. August 1987
Die achte 10-Minuten-Lesung: Europa Center Berlin, 30. August 1987
Die neunte 10-Minuten-Lesung: Galerie Vincenz Sala, Berlin Tiergarten, 30. August 1987
Die zehnte 10-Minuten-Lesung: Atelier v. Hoetmar, Berlin Kreuzberg, 13. September 1987
Länge: 02:04:52


Enno P. Gramberg (* 11.11.1946 in Aurich, † 7.1.2000 in Berlin).- Dichter

Enno P. Gramberg schreibt in einem Text, den er pikanterweise IDENTIFIKATION nennt:
Die Zeit des Wortes ist gegangen, hat sich in Schemen des schleierhaften Tages verflüchtigt, sang- und klanglos; die Sprachnacht weiß nicht ein noch aus.
Doch ist gerade Gramberg der verwegenste Sprachtänzer im Bordell der freien Wortverfügbarkeit, der sich - wie mir scheint, und im besten Falle weiß er selbst gar nichts davon - über radikale Fluchtkorridore in Formidyllen der Wortkopulation austobt und im Zentrum der Sprache alles andere aufkommen läßt. Dabei ist es völlig unerheblich, daß die Sprache, deren Wirkung eher in einer Verschiebung, einem Gleiten besteht, offensichtlich jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren hat. Denn es geht ihr im Taumel von theatralischer Emphase und monologischem Tango gar nicht um die Abbildung des Außen und auch nicht um die Unterdrückung des artikulierten Wortes und dessen Sinns als darum, den Wörtern eine Bedeutung zu geben, die sie vielleicht im Traum haben.
Möglicherweise - das Wissen um die Illusion stets vorausgesetzt - könnte es dem Dichter als auch dem Schreibenden auf diese Weise gelingen, die Worte aus ihrer totalen Praktikabilität zu entführen und die Sprache vor einem rein maschinellen Dasein zu bewahren.

aus einem Vortrag von P. M. Waschkau, 25. September 1990, Gogol-Institut Leningrad
In: Gesamtverzeichnis - Vorschau Frühjahr '92 "Enno P. Gramberg - Dröhnungen". mink verlag, Berlin